BENUTZERHANDBUCH FÜR DIE SimPRENA-PLATTFORM
Die SimPRENA-Plattform ist ein Blended-Learning-Tool, das sowohl Lehre als auch Selbststudium unterstützt. Rollenspielsimulationen bilden die zentrale Lehrmethode. Sie kombiniert selbstgesteuertes Online-Lernen mit interaktiven Präsenzveranstaltungen und bietet eine Reihe zusätzlicher Lernmaterialien.
Dozenten können ihr bevorzugtes Blended-Learning-Modell wählen; wir empfehlen jedoch dringend den Flipped-Classroom-Ansatz. Anstatt wertvolle Simulationszeit mit der Vermittlung von Grundlagenwissen zu verbringen, wird dieses Wissen vor der Simulation bereitgestellt (Videos, Lesetexte, Übungen). Die Präsenzsimulation dient dann dazu, das Wissen aktiv in einer realistischen, praxisnahen Umgebung anzuwenden, zu analysieren und zu üben.
Wie ist der Inhalt organisiert?
Sechs Themenbereiche werden in fünfzehn Simulationsszenarien abgedeckt, ergänzt durch theoretische Hintergrundinformationen, Übungen, Videos und zusätzliche Ressourcen.
Die Themenbereiche sind:
I. Gewährleistung der Sicherheit von Personal und Patienten
II. Verbesserung der Konfliktlösungsfähigkeiten
III. Verbesserung der Kommunikationsfähigkeiten
IV. Aufbau emotionaler Resilienz
V. Verständnis des Patientenverhaltens
VI. Ethische Überlegungen
Inhalte der Plattform und deren Nutzung
Nutzung für Online-Selbststudium und -Vorbereitung
1. Theoretische Grundlagen in Mikrolerneinheiten
Wir gehen davon aus, dass Studierende und Lehrende, die nach Materialien mit diesem Detaillierungsgrad suchen, bereits über Vorkenntnisse in den jeweiligen Themengebieten verfügen. Daher sind wir der Ansicht, dass das Mikrolernformat für die Vermittlung der theoretischen Grundlagen ausreichend ist, da es sich auf die Zusammenfassung von Schlüsselkonzepten konzentriert, anstatt das Thema einzuführen. Es gibt 15 solcher Einheiten, die jeweils auf das Thema der entsprechenden Rollenspielsimulation abgestimmt sind.
2. Interaktive Übungen
Im Anschluss an die theoretischen Einheiten dienen die Übungen der Festigung des Gelernten und fungieren als effektive Wiederholungsaktivitäten zur Festigung des Verständnisses.
3. Anschauliche und interaktive Videos
Videos begleiten 10 der 15 Simulationen und decken alle sechs Fachbereiche ab.
Die Videos wurden in professionellen medizinischen Simulationszentren mit Pflegestudierenden der Medizinischen Hochschule Prag (Vysoká škola zdravotnická) und der Akademia Nauk Stosowanych im. prof. gedreht. Edwarda Lipińskiego (Lipinski-Universität) in Kielce, Polen, spielt die Rollen von Personal und Patienten.
Es gibt drei Videos zu jeder der zehn Simulationen:
1. Vor der Nachbesprechung – die Studierenden machen spontane, unvorbereitete Fehler.
2. Nach der Nachbesprechung – dasselbe Szenario wird mit korrigierten Fehlern wiederholt.
3. Interaktiv – Video 1 wird unterbrochen, um Informationen und Fragen einzublenden, die die Online-Teilnehmer beantworten.
Die anschaulichen Videos ermöglichen es den Studierenden, ihre Kommilitonen im Lernprozess zu beobachten und deren Fehler mitzuerleben. Dadurch wird die Erfahrung authentisch und nachvollziehbar.
In den interaktiven Videos werden anschauliche und präskriptive Ansätze kombiniert. Hier wird das Video „Vor der Nachbesprechung“ an kritischen Stellen angehalten, um zusätzliche Informationen oder Fragen einzublenden, die die Online-Teilnehmer beantworten müssen, bevor es weitergeht. Dieser Ansatz kann auch im Präsenzunterricht angewendet werden, wo die Lehrkraft das Video anhalten kann, um die Diskussion zu lenken und die Gruppenarbeit beim Problemlösen zu fördern.
Einsatz für angeleitete Unterrichtsübungen
Rollenspielsimulationen
Die interaktiven Unterrichtsaktivitäten basieren auf Rollenspielsimulationen. Die Simulationen 1, 2 und 13 sind in zwei Versionen verfügbar: A und B – für Pflegekräfte und Rettungssanitäter.
Bereitgestellte Materialien:
Für Studierende:
Einführungsblätter: Hintergrundinformationen und Kontext zum Szenario.
Rollenspielkarten: Zuweisung spezifischer Rollen und Verantwortlichkeiten an die Teilnehmenden.
Für Dozierende:
Ziele der Simulation: Klare Darstellung des Zwecks und der angestrebten Lernergebnisse.
Aufwärmübungen: Vorbereitung der Studierenden auf die Teilnahme und Aktivierung von Vorwissen.
Szenarioübersicht: Zusammenfassung von Kontext, Setting und Schlüsselelementen der Simulation.
Ablauf der Simulation: Schrittweise Anleitung zur Durchführung der Übung.
Lernergebnisse: Definition der Lernziele der Studierenden am Ende der Simulation.
Nachbesprechungsleitfaden: Unterstützung der Reflexion und Festigung des Gelernten nach der Übung.
Tipp für Dozierende: Fördern Sie die aktive Teilnahme, beobachten Sie das Engagement der Teilnehmenden und nutzen Sie die Nachbesprechung, um wichtige Erkenntnisse und Lernpunkte hervorzuheben.
Zusätzliche Ressourcen
Die „Komplikationsboxen“ führen unerwartete Herausforderungen ein – wie Ablenkungen, Störungen oder Wendungen –, die Kursleiter in einer Simulation einsetzen können, um die Teilnehmenden im Umgang mit Unerwartetem zu schulen, genau wie in realen Situationen. Der Abschnitt „Kulturelle Missverständnisse“ zeigt Beispiele aus der Praxis, wie kulturelle Unterschiede im Gesundheitswesen die Kommunikation und Interaktion zwischen Pflegekräften, Rettungssanitätern und Patienten beeinflussen können, und bereitet die Teilnehmenden darauf vor, sensibel und professionell zu reagieren.
Die „Formulierungsleitfäden“ bieten sprachliche Unterstützung für Stresssituationen, in denen die Wahl der richtigen Worte entscheidend für die Deeskalation oder Eskalation einer Situation sein kann. Diese Leitfäden sind besonders wertvoll für medizinisches Fachpersonal, dessen Muttersprache nicht Tschechisch ist.
Alle Materialien sind in fünf Sprachversionen verfügbar: Tschechisch, Englisch, Deutsch, Griechisch und Deutsch.
Empfehlungen nach der Pilotphase der SimPRENA-Plattform für Dozierende
Die folgenden Empfehlungen basieren auf der Pilotphase des SimPrena-Kurses mit 186 Teilnehmenden in fünf Ländern. Sie sollen Kursleiter dabei unterstützen, die angestrebten Lernziele zu erreichen.
- Nutzung der Materialien als strukturierte Lernsequenz
Es wird dringend empfohlen, die vorgesehene Reihenfolge der Materialien einzuhalten und mit den vorbereitenden Ressourcen zu beginnen. Die Videos sind so konzipiert, dass sie im Kontext der vorhergehenden Materialien interpretiert werden. Die isolierte Verwendung der Videos kann zu Missverständnissen hinsichtlich der Lernziele oder der Intention der Szenarien führen.
- Betonung von Kontext und Lernfokus in allen Phasen
Bestimmte Szenarien stellen herausfordernde oder aggressive Situationen dar, die auf realen klinischen Ereignissen beruhen. Diese Szenarien sollen das Lernen in den Bereichen Sicherheit, Deeskalation, Kommunikation und professionelles Urteilsvermögen in Hochrisikosituationen unterstützen und nicht das Patientenverhalten veranschaulichen oder verallgemeinern. Die explizite Betonung des Lernfokus vor und während der Nutzung hilft den Lernenden, sich wie vorgesehen mit den Szenarien auseinanderzusetzen.
- Videos als Rohmaterial für das Lernen nutzen, nicht als Beispiele.
Die Simulationsvideos sind bewusst ungeskriptet und ungeprobt, um authentische Reaktionen von Lernenden auf eine Situation festzuhalten. Sie dienen als Rohmaterial für Analyse und Diskussion, nicht als Demonstration bewährter Vorgehensweisen.
- „Komplikationsboxen“ zur Erweiterung des Lernprozesses nutzen.
Die „Komplikationsboxen“ im Abschnitt „Zusätzliche Ressourcen“ bieten die Möglichkeit, Simulationen an unterschiedliche Lernbedürfnisse anzupassen und den Schwierigkeitsgrad der Szenarien für fortgeschrittene Lernende zu erhöhen. Die bereitgestellten Formulierungshilfen und Beispiele für kulturelle Missverständnisse können ebenfalls zu diesem Zweck verwendet werden.
- Flexible Lernintensität und -geschwindigkeit.
Die SimPrena-Materialien eignen sich besonders für Auszubildende im ersten und zweiten Ausbildungsjahr. Der Schwierigkeitsgrad kann durch zusätzliche Ressourcen erweitert werden.
Es gibt keine festgelegte Dauer; Zeit, Tempo und Intensität können je nach Bedarf der Gruppe und nach professionellem Ermessen der Kursleitung angepasst werden.